Paris – Der etwas andere Familienurlaub

Nun will ich euch den versprochenen Bericht nicht länger vorenthalten. Die Arbeit hat mich allerdings gleich wieder voll in Beschlag genommen, sodass wenig Zeit zum Schreiben blieb. Und das, wo ich am Montag am liebsten gleich den nächsten Urlaubsantrag ausgefüllt hätte. Denn oh Wunder, eine Städtereise mit Kleinkind ist nicht gerade erholsam.

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Klar haben wir uns das auch vorher schon gedacht. Allerdings wollten wir unbedingt eine Freundin besuchen, die aus Kanada kommt und die nun günstigerweise gerade in Paris lebt. Wir haben das bis jetzt immer so gehandhabt, uns gegenseitig zu besuchen, wenn die eine gerade auf dem Kontinent der anderen war.

Außerdem haben wir uns voher extra schlau gemacht, wie man Paris auch mit Kleinkind genießen kann.

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 Zunächst hatten wir großes Glück, eine wunderschöne airbnb Wohnung zu finden, die über ein tolles Kinderzimmer verfügte und mit allem ausgestattet war, was wir uns wünschen konnten.

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Alles andere war für uns allerdings eher enttäuschend. Wir waren enttäuscht, weil uns vorher noch erzählt wurde, wie kinderfreundlich in Frankreich doch alles sei und zwar, weil Kinder dort als viel selbstverständlicher betrachtet werden als hier. Das heißt in Restaurants freuen sie sich über die Kinder und haben auch alles für sie da.

Das Gegenteil war der Fall. Aus Berlin und auch anderen Städten, in denen wir schon zusammen mit unserem Lieblingskind essen waren, gab es immer einen Hochstuhl, oft auch Kinderbesteck und etwas zum malen. In Paris ist uns das nicht ein einziges Mal begegnet und die Kellner hatten nicht nur keine Geduld – sie waren geradezu arrogant und unfreundlich.

Womit ich auch gar nicht gut klar komme, ist Patriotismus bzw. übertriebener Nationalstolz. Diese permanente Weigerung, auf eine andere Sprache als die eigene zu reagieren, wenn man sie doch spricht, finde ich geradezu lächerlich. Man ist dort gezwungen, wenigstens auf französisch zu sagen, dass man kein französisch spricht. Das ging schon an der Touristeninformation am Flughafen los, wo man erwarten könnte, dass Menschen, die dort arbeiten mehrere Sprachen beherrschen. Auf meine Frage, ob sie Englisch spreche, kam jedenfalls sofort ein entrüstetes „Non, Non!!!“ Dann versuchte ich mit meinen paar Brocken Schulfranzösisch, in das sich immer wieder Spanisch mit reinschummelte – weil dies mein Französisch im Gehirn fast komplett überschrieben hat – zu erfragen, ob ich für einen 3jährigen schon eine Zugfahrkarte brauchte. Dies bejahte sie sofort. Als ich das Ticket kaufen wollte, fragte der Lieblingsmann, was ich da mache. Wir müssten für das Kind noch nichts bezahlen. Er war an eine nettere Frau in der Touristeninfo geraten.

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Auch die Preise waren nicht ohne. Diese Zugfahrkarte für das Lieblingskind (ermäßigter Preis) hätte mich 7 € gekostet und ab 4 Jahren müssen Kinder dort schon bezahlen. Die Ermäßigung geht nur bis zum 12. Lebensjahr. Das ist hier auch alles etwas Familienfreundlicher.

Generell mussten wir für jedes bisschen Spaß, horrende Summen bezahlen. Wir hatten uns auf das viel gepriesene Kindermuseum Cité des enfants gefreut gehabt. Als es dann endlich so weit war, hieß es, dass man schon nach 1,5 Stunden wieder raus muss. Und das war bereits das längste Angebot. Ansonsten bezahlten wir noch 5 Minuten Schaukeln, immer wieder Karussells, Eintritt aufeinem schönen Spielplatz, 10 Minuten PoP1050939ny reiten…

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Umsonst waren Parks (in denen immer wieder diese wunderschönen nostalgischen Karussells rumstanden) und die Stadtspielplätze, die aber ziemlich lieblos gestaltet waren. Auch von Spielplätzen sind wir hier einfach verwöhnt. Sämtliche Spielplätze in unserer Umgebung sind sehr unterschiedlich und kreativ gestaltet.

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Ungefähr 4 Wochen vor dem Urlaub hatte ich noch in einer Zeitung einen großen Artikel über die deutsche Familienpolitik gelesen, und was alles in anderen Ländern so viel besser und selbstverständlicher läuft. In Paris fing ich an, komplett umzudenken. Ich war plötzlich dankbar, für sämtliche Sachen, die in Deutschland vergleichsweise super laufen. Zum Beispiel bekommen wir 14 Monate Elterngeld und in Frankreich bekommen sie dies nur 4 Monate. Die Ermäßigungen in Frankreich sind oft minimal und für weniger Jahre. Im Museum hätte das Lieblingskind ebenfalls wie bei der Bahn bereits ab dem 4. Lebensjahr bezahlen müssen. In Berlin besuchen Kinder und Jugendliche viele Museen sogar bis zum 18. Lebensjahr kostenlos.

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Wir wollten noch ein ausgewiesenes Kindermuseum im Centre Pompidou besuchen und bezahlten auch hier den vollen Eintritt, um sämtliche Ausstellungen und die Aussichtsplattform mit drin zu haben. Zum Glück. Denn es stellte sich heraus, dass das Kindermuseum aus einem einzigen großen Ausstellungsstück bestand, dass wir von außen auch schon begutachten konnten. Ich war fassungslos. Bei uns bedeutet Kindermuseum: erstens experimentieren und anfassen zu können und zweitens so lange man will. Hier war wieder nach 10-15 Minuten alles getan, was man tun konnte. Wir hatten aber Glück, dass wir noch die Aussicht genießen und sogar die Moderne Kunst-Ausstellung besichtigen konnten, weil das Lieblingskind eingeschlafen war. Auch wenn das für den Lieblingsmann bedeutete, dass er den Kleinen dabei die ganze Zeit tragen musste.

Zum Essen kann ich nicht viel schreiben, da wir Vegetarier sind und die typisch französische Küche nun mal auf sämtliche Facetten der Fleischverarbeitung spezialisiert ist. Allerdings liebe ich Kaffee und Kuchen und dafür ist Frankreich nun wiederum ideal. Allerdings war es am Ende sogar mir alles schon zu süß, sodass ich nur noch nach Salat gelechzt hatte, als ich nach Hause kam. Denn man soll es kaum glauben, aber das vegetarischste Gericht überhaupt – Salat – gab es in der Regel nur mit Thunfisch, Schinken oder Hühnchen.

Das beste Eis, dass man jedoch in Paris essen kann, ist das von Berthillon, das es auf einer kleinen Insel in der Seine gibt.

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Schön fand ich, dass der Lieblingsmann während des Urlaubs Geburtstag hatte. So konnten wir gleich eine kleine Auswahl der süßen Törtchen ausprobieren.

P1050506Und mein Highlight war – oh Klischee – tatsächlich der Eiffelturm. Ich war überrascht, was sich alles in diesem alles verbergen konnte und dass der Herr Eiffel sogar mal darin gewohnt hatte. Besonders war es aber auch, weil es einfach der wärmste und sonnigste Tag war. Es war so wunderbar, dass sämtliche Leute einfach verrückterweise in den riesigen Springbrunnen mit Wasserkanonen vor dem Eiffelturm baden gingen. Auch das Lieblingskind durfte rein und hatte gejuchzt vor Freude.

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Mein Fazit: Paris mag etwas für Verliebte sein, für Familien mit Kleinkind ist es jedoch eher ungeeignet. Darum malten das Lieblingskind und ich am Wochenende auf der Zugfahrt zu den Großeltern auch gleich erst mal Berge und Bergseen und träumten uns in den nächsten Urlaub mit Familienhotel, in dem wir alle ausreichend Erholung finden.

Und wie waren eure Ferien so? Wo ging es hin? Gibt es andere Erfahrungen mit Paris?

Eure Sabrina

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