Trauer – Frühe Fehlgeburt verarbeiten oder ein Tabu brechen

Eigentlich hatte ich vor, in etwa einem Monat einen wunderschönen Artikel zu schreiben, euch an einer wunderbaren Neuigkeit teilhaben zu lassen.

Jetzt ist das nicht mehr möglich und ich habe hin und her überlegt, ob ich nun diesen traurigen Artikel schreiben soll. Für mich gehören die „negativen“ Gefühle wie Traurigkeit und Wut ebenso zum Leben wie die schönen und es käme mir unecht vor, wenn ich hier nur Friede-Freude-Eierkuchen-Artikel schreiben würde, um es aussehen zu lassen, als wäre mein Leben ein Kinderkarrussell. Zumal ich es wirklich nicht schaffen würde, jetzt über andere Dinge zu schreiben.

Diese Woche ist für mich1. Fehlgeburt höchst traurig, weil ich am Montag eine Fehlgeburt hatte. Es handelt sich um eine frühe Fehlgeburt, was so viel bedeutet wie, dass das Baby innerhalb der ersten 12 Wochen wieder abgeht. Das ist durchaus nicht ungewöhnlich  und viele Frauen teilen dieses Schicksal. In der Regel hat es damit zu tun, dass genetisch etwas nicht richtig angelegt war und es deshalb gleich wieder abgestoßen wird. Das hat die Natur schon ganz richtig eingerichtet.

An meinen Gefühlen ändert es allerdings nichts. Denn ich war sehr glücklich darüber, wieder zu zweit zu sein und dieses kleine, süße Geheimnis unter meinem Herzen zu tragen. Am 12. Juni 2016 wäre es möglicherweise zur Welt gekommen, was ein wunderschönes Geburtsdatum gewesen wäre, wie ich fand. Ich hatte mich auf so vieles gefreut. Darauf, dass ich bald mit dem Lieblingskind darüber sprechen könnte, dass es ein großer Bruder wird und darüber wie das Baby jetzt in Mamas Bauch wächst und ihm zu demonstrieren wie groß es jeweils gerade ist. Ich freute mich auf den Mutterpass und das erste Babykucken sowie aufs Schwangerschaftsyoga. Auch freute ich mich darauf, bald alle an unserer Freude teilhaben lassen zu können.

Und dann kam dieser erschreckende Moment, in dem ich krampfhaft versuchte, etwas aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten war. In dem ich bereits merkte was kommen wird, bevor es so weit war. Ich hatte panische Angst, Herzrasen und fing schon an zu weinen, bevor es losging. Es war einer der traurigsten Tage in meinem Leben. Und so sehr ich auch weiß, dass das nicht automatisch bedeutet, dass es nicht doch noch ein Baby geben kann, so sehr schmerzt mich dieser Verlust.

Glücklicherweise kann ich mich beim Lieblingsmann ganz gut anlehnen und ausweinen. Er unterstützt mich und teilt meine Trauer, da er sich natürlich auch auf das zweite Baby gefreut hatte. Ansonsten mag ich eigentlich gerade keine anderen Menschen sehen.

Ich hätte einfach nicht gedacht, dass mir das passieren würde, obwohl ich  schon von so vielen Frauen (Freundinnen, Verwandten) gehört habe, dass sie zwischen zwei Kindern Fehlgeburten hatten. Wie so oft, bin ich optimistisch und denke, mir passiert so was schon nicht. Jetzt verunsichert es mich allerdings so sehr, dass ich Angst habe, mich beim nächsten Mal unbeschwert über einen positiven Schwangerschaftstest zu freuen. Muss ich dann mit meiner Freude 12 Wochen warten? Sicherlich nicht. Aber es macht mir Angst.

Ich hoffe, ihr könnt das so lesen wie es gemeint ist, als Ausdruck meiner aktuellen Gefühle. Ich bin trotzdem dankbar für meine kleine tolle Familie und für unser süßes Kind. Nur momentan überwiegt der schmerzliche Verlust.

Eure Sabrina

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5 Gedanken zu “Trauer – Frühe Fehlgeburt verarbeiten oder ein Tabu brechen

  1. Liebe Sabrina,

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde es wichtig und gut, dass immer mehr Bloggerinnen auch dieses Thema ansprechen. Oft wird eine Fehlgeburt verschwiegen und Mütter denken, sie müssen ganz alleine damit klarkommen bzw. dürfen nicht trauern, weil das ja „von der Natur so gewollt“ war.

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Kraft für die nächste Zeit!

    Liebe Grüße,
    Hanna

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  2. Alles Liebe für Euch.
    Es wird nie wieder so wie vorher, aber der Schmerz verändert isch so, daß er erträglich wird.
    Und das mit den 12 Wochen ist schön und gut. Aber auch danach kann so viel passieren, ich würde mich nicht an ein Datum klammern,
    Liebe Grüße
    Suse

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