„Mama, werd‘ ich auch mal tot?“

Fragen zum Tod beschäftigen das Lieblingskind gerade ungemein und ich frage mich woher es kommt. Denn in unserer unmittelbaren Umgebung ist noch niemand gestorben, den er kennt. Aber er fragt sich das: „Mama, werde ich auch mal tot sein? Und werdet ihr mal tot sein?“

verlassenes SchneckenhausUnd dann grübelt er. „Ich will aber niemals tot sein? Wie wird man tot?“ Wir reden dann mit ihm ehrlich darüber. Wir erklären, dass man beispielsweise stirbt, wenn man schon sehr alt ist, dass man aber auch sterben kann, wenn man krank ist oder einen Unfall hat.
Ich glaube das beunruhigt ihn, weshalb wir das eher als Randnotiz erwähnen. Dann sitzen wir bei der Uroma zum Kaffee. Das Lieblingskind sitzt ihr gegenüber und fragt mich, „Mama, wann ist Oma tot?“ Er weiß ja jetzt, dass Menschen sterben, wenn sie schon ganz alt geworden sind und er kann sehen, dass Oma schon alt ist. Das hatte er zu früheren Zeitpunkten schon erfragt.

Dann an einem anderen Tag, das Lieblingskind war sehr müde, stand es erschöpft vor der Haustür und sagte „Mama, ich möchte tot sein“. Er sah die ungeheure Anstrengung vor sich, noch das Laufrad eine Stufe hoch zu bugsieren und dann noch die Treppe zur Wohnung hochlaufen zu müssen und dachte, er wäre lieber tot. Wobei in seinem Gesicht geschrieben stand, dass er meinte, er sei totmüde. Das sagte ich ihm auch und erklärte, dass er am nächsten Tag wieder viel Kraft zum Spielen haben wird, wenn er sich erst mal richtig ausgeschlafen hat.
k. silent momentsAm nächsten Tag stand er vor mir und sagte, er möchte niemals tot sein. Ich denke einen richtigen Begriff von der Endgültigkeit, die der Tod mit sich bringt, hat er noch nicht. Aber er ahnt etwas. Und das beunruhigt ihn. Ich finde es etwas befremdlich, weil ich mich nicht erinnern kann, mir selbst als Kind auch diese Gedanken darum gemacht zu haben. Erst gestern früh lag er um 5 Uhr grübelnd neben mir, nachdem er auf der Toilette gewesen war. Ich war schon fast wieder eingeschlafen, da fragte er ganz leisen: „Mama, wer ist eigentlich dann hier, wenn wir tot sind? Wer wohnt dann hier?“ Ich war etwas erstaunt, worüber er so nachdenkt und würde gern wissen woher es kommt.
Am Abend ging es dann weiter damit, was er so alles vermissen wird, wenn er tot ist: sein Bett zum Beispiel, und was er nicht vermissen wird: mein Schimpfen zum Beispiel.
Und dann frage ich mich, beunruhigt ihn dieses Thema tatsächlich oder ist es einfach nur der Versuch, etwas zu begreifen, was er bis jetzt noch nicht richtig versteht?

Vielleicht gibt es ein schönes Kinderbuch, das dieses Thema gut aufgreift und diese Fragen genauso sachlich beantwortet, wie das Lieblingskind sie stellt. Das würde ich mir wünschen.
Ich hatte mal ein Buch aus der Bibliothek ausgeliehen, bei dem ich dachte, dass es von einer schönen Oma-Enkel-Beziehung handelt. Denn anfangs drehte sich alles um eine tolle Oma und was man mit der alles erleben konnte. Aber tatsächlich ging es dann darum, dass die Oma stirbt und die Art und Weise wie es geschrieben war, hatte mich etwas verstört. In der Geschichte, erzählt die Oma nämlich, dass sie sterben wird, sobald auch das Blümchen im Garten stirbt. Daher hegt und pflegt das Enkelkind das Blümchen und passt immer auf, dass ihm nichts passiert, weil es natürlich nicht möchte, dass die Oma stirbt. Irgendwann kam es dann aber natürlich wie es kommen musste und sowohl Blümchen als auch Oma waren perdu.
Für mich war das eine schreckliche Art, es dem Kind zu sagen. Das Kind kam so doch unterschwellig zu der Annahme, dass es selbst in der Hand hätte, wie lange die Oma noch am Leben war und musste nun panisch darauf aufpassen, dass kein Häschen das Blümchen frisst oder es nicht dem Rasenmäher zum Opfer fällt. Wenn man dem Kind damit nicht einen schönen Kontrollzwang für die Zukunft mitgibt … Die Verzweiflung war bei dieser Geschichte förmlich greifbar und ich konnte es nicht ohne fetten Kloß im Hals vorlesen. Daher habe ich es auch nicht noch mal vorgeholt.

Sollte also jemand einen schönen Buchtipp für mich haben, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlasst.

Stellen eure Kinder auch Fragen zum Tod und grübeln darüber nach? Wie sprecht ihr mit ihnen darüber?

Eure Sabrina

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2 Gedanken zu “„Mama, werd‘ ich auch mal tot?“

  1. Hm, schade, ich schick’s dir auf nem anderen Weg.

    Außerdem find ich seine Gedanken sehr schön. Kinderköpfe kommen immer auf Fragen… ach wie groß und phantasieanregend Ahnungslosigkeit sein kann.

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