Über das Einschlafen – Abendrituale und Entspannung

Es gab bei uns viele verschiedene Phasen, was das Einschlafen des Lieblingskindes anging. Und gerade wenn man zum ersten Mal Eltern wird, weiß man quasi nichts über kindlichen Schlaf und wie es sich erst alles entwickeln muss. Man weiß vor allem auch nicht, dass es bei jedem anders ist. Gleichzeitig hört man aber so viele verschiedene Tipps, liest nach, versucht auf den Bauch zu hören, vergleicht und fragt sich, warum das eigentlich so kompliziert sein muss.

Kompliziert macht es die Situation jedoch nur, wenn man von falschen Erwartungen ausgeht, sich von den verschiedenen Tipps verrückt machen lässt und am besten noch versucht alles gleichzeitig umzusetzen.

Das Lieblingskind brauchte immer sehr lange zum Einschlafen und es gab Zeiten da sang ich das gleiche Einschlaflied eine dreiviertel Stunde rauf und runter, weil ich Angst davor hatte, dass es sich ansonsten gleich wieder hinstellt und putzmunter ist. Danach blieb ich noch eine Viertelstunde neben ihm sitzen. Sobald ich mich nämlich wegbewegte, wachte es auf und war sofort wieder hellwach. Dann konnte ich mit dem Einlullen von vorn anfangen. So dauerte das Ganze dann oft anderthalb Stunden. Ich habe diese Zeit verflucht, weil ich ein Mensch mit Hummeln im A**** bin. Ich hatte oft noch etwas zu tun oder wollte auch schon wieder im Wohnzimmer sitzen wie der Lieblingsmann und mit ihm noch etwas essen, fernsehen oder mit Besuch quatschen.

Ich kam damals nicht auf die Idee, dass es genau meine innere Unruhe war, die vielleicht auch mein Kind nicht zur Ruhe kommen ließ. Oder ich kam schon drauf und konnte aber nichts daran ändern, weil ich mich innerlich schon so reingesteigert hatte.

Es dauerte viele Monate, bis ich darauf kam, dass nicht alles punktgenau ablaufen muss, dass Kinder unterschiedliche Einschlafzeiten haben und selbst ein und dasselbe Kind an einem Tag früher oder später müde ist als an einem Anderen. Außerdem merkte ich, dass ich es auch für mich bequemer gestalten kann, statt mich am Gitterbettchen zu verrenken, um ihn in den Schlaf zu streicheln. Manchmal frage ich mich, wieso diese Erkenntnis nur so lange auf sich warten ließ. Ich beneidete eine Freundin, deren Tochter schon um 18 Uhr abends schlief und am nächsten Morgen sogar erst um 7 Uhr wieder aufwachte, und zwar nachdem sie nur eine Geschichte vorlesen und ein Lied singen musste, um dann den Raum verlassen zu können. Ihre Tochter schlief dann alleine ein. Im Nachhinein war das mit dem alleine einschlafen wohl auch nur eine Phase, aber die 13 Stunden blieben ihr lange erhalten.

Das Lieblingskind schlief oft erst um 20 Uhr oder später ein und wachte spätestens um 5 Uhr wieder auf. Diese Zeit ist glücklicherweise vorbei. Wir stehen meist alle um 6 Uhr auf. Er schafft es an Wochenenden oder im Urlaub sogar manchmal schon bis 7 oder 8 Uhr zu schlafen. 8 Uhr ist zwar eher eine Seltenheit, aber in Ordnung.

Am Ende kam es doch wieder darauf an, eben nichts zu vergleichen, auch nicht die tollen Tipps der anderen, wenn sie ja doch nicht auf mein eigenes Kind und seinen Rhythmus (oder unseren Rhythmus als Familie) passen. Es ging darum die Situation so wie sie war anzunehmen. Das ging sehr viel leichter, indem ich endlich meine eigenen Bedürfnisse auf die gleiche Stufe mit den kindlichen Bedürfnissen stellte. Das hieß:

  • Ich legte mich auf keinen Fall mehr hungrig zum Lieblingskind.
  • Ich ging auf die Toilette, wenn ich musste oder ging einen Schluck Wasser trinken, auch wenn es hieß, dass ich vielleicht noch mal von vorn anfangen musste, weil das Lieblingskind aufstand, um mitzukommen.
  • Ich legte mich vor allem gemütlich mit hin, entweder in unser großes Bett, oder neben seins auf einer kuscheligen Decke (statt mich durch das Gitterbettchen zu verrenken).
  • Ich setzte mir ein Limit, wie lange ich selbst lesen oder singen wollte. Denn es ging mir auf die Stimme, sobald ich weiterlas, obwohl ich es nicht wollte.
  • Wenn es noch sehr wach war, konnte es sich weitere Bilderbücher einfach anschauen und ich kuschelte mich nur daneben und ruhte mich selbst aus.

Ich denke das war der entscheidende Unterschied, der dafür sorgte, dass das Lieblingskind auf einmal nur noch halb so lange brauchte, einzuschlummern.

Unsere Abendroutine

Heute handhaben wir es wesentlich lockerer und das Lieblingskind kann auch mal auf der Couch neben uns schlafen, wenn wir noch etwas Dringendes zu erledigen haben oder ich alleine bin und es noch nicht geschafft hatte zu essen. Das Abendessen findet leider selten zu dritt statt, da entweder mein Mann oder ich abwechselnd lange arbeiten müssen.

Aber einer von uns beiden isst mit dem Lieblingskind zusammen Abendbrot. Dann wird es geduscht oder gebadet. Dann kommt das Zähneputzen dran, denn das muss vor dem Sandmännchen erledigt sein. Auch das Sandmännchen kann über die Mediathek mal ein paar Minuten später laufen, was ungeheuren Stress rausnimmt, wenn das Lieblingskind sich bettfertig machen soll. Dann gucken wir zusammen das Sandmännchen und danach lesen wir ein Buch oder eine Geschichte vor. Zum Schluss streichle ich das Lieblingskind meist in den Schlaf. Der Lieblingsmann macht das glaube ich nicht. Er liegt neben ihm oder das Lieblingskind kuschelt sich auf ihn drauf.

Mein Fazit aus unserer Erfahrungsgeschichte ist, dass es hier wie bei anderen Dingen auch wieder darum geht, das Kind kennen zu lernen, seine Eigenheiten zu beobachten und anzunehmen. Es geht letztlich wieder darum gemeinsam ein Stück als Familie zu wachsen.

Vor allem von Kolleginnen, die mit Babys arbeiten, habe ich immer wieder gehört, wenn die Mutter entspannt ist, ist es das Baby meist auch. Das glaubte ich ihnen sofort und konnte es auch bei entspannten Müttern beobachten. Nur half mir dieser Satz nicht bei der Umsetzung. Das musste wachsen. Dafür musste ich eine Situation erst einmal annehmen können wie sie war. Das Annehmen wurde eindeutig leichter, als ich endlich darauf schaute, was es mir denn leichter machen würde, diese Situation auch für mich angenehmer zu gestalten. Auf einmal konnte ich meine Bedürfnisse nicht nur als lästig und unerträglich ansehen, sondern als das was sie waren: Bedürfnisse, die ebenso erfüllt werden wollten wie die Bedürfnisse meines Kindes. Wenn ich mich jedoch permanent nach etwas ganz anderem sehne, etwas das jetzt gerade überhaupt nicht dran ist, weil ich ein Baby oder Kleinkind habe, dann wird es schwer. Mir muss einfach klar sein, dass es nicht machbar ist, jeden Abend in Ruhe zu einer bestimmten Zeit, mein gewohntes Abendprogramm durchzuziehen, das ich hatte, bevor ich Mutter wurde. Hier musste ich meine Erwartungen an die neue Situation anpassen und darauf achten, dass die wichtigsten Bedürfnisse erfüllt sind und ich ein neues Abendprogramm auch genießen kann. Alles andere wird sehr schnell wiederkommen, wenn die Kinder älter sind. Die kuschelige Zeit, in der die Kleinen uns so dringend brauchen ist nämlich, wenn man es mal aus einer größeren Perspektive heraus betrachtet, sehr kurz. Aus diesem Grund will ich sie genießen und alles an dieser neuen Situation auskosten, was mir später vielleicht fehlen wird.

5. Das kleine KaninchenVon meiner Mama habe ich vor kurzem den Tipp vom „Kaninchen, das so gerne einschlafen möchte“ bekommen. Dabei handelt es sich um eine Geschichte, die weniger Geschichte als viel mehr Entspannungsmethode ist. Das fand ich als Entspannungspädagogin natürlich total spannend und holte mir das Hörbuch. Es ist wirklich schön, denn es läuft ein wenig ab wie eine Phantasiereise für Kinder mit Schlüsselwörtern aus dem Autogenem Training, sodass man richtig zur Ruhe kommt. Ein Schlüsselwort, dass jedoch viel zu oft vorkommt und eher nervt ist das Wort ‚jetzt‘. Ich verstehe auch nicht, wieso ein so abstraktes Wort als Entspannungsreiz genutzt wird. Es nervt und führt eher dazu, dass man sich darüber lustig macht oder von der Entspannung abgelenkt wird. Vorgestern wollte das Lieblingskind die CD endlich mal wieder hören. Und wenn es sie hört, dann ist es auch innerhalb von 15-20 Minuten eingeschlafen. Ich glaube, er wird sie nie bis zum Ende hören. Man schläft einfach vorher ein.

Ich finde diese CD ganz schön und kann sie mir auch als Buch sehr schön vorstellen, wenn man sie dem Kind selbst vorliest. Doch so gut sie auch funktioniert, was nicht funktioniert ist, dass das Kind sie jeden Abend hören will. Denn es ist eben keine spannende Geschichte. Ich würde ihm die Geschichte nie aufzwingen oder versuchen, es dahin zu manipulieren, dass es diese CD hören will. Und wenn ein Kind ins Bett muss, ist es doch meist noch so wach, dass es eine interessante Geschichte hören will. Zu nervenaufreibend sollten die Geschichten generell nicht sein. Aber eine Geschichte, in der fast nichts passiert, ist eben nicht immer die erste Wahl. Ich denke sie richtet sich vor allem an Kinder (frühestens ab 4 Jahren), die nur schwer zur Ruhe kommen. Und auch dann sollte sie ehrlicherweise als Entspannungsmethode eingesetzt werden, die man irgendwann nicht mehr braucht, anstatt als Gute-Nacht-Geschichte.

Ich denke auch hier bleibt es das Wichtigste, dass wir selbst als Eltern erst mal entspannen (lernen) und ruhig an die Sache rangehen. Denn nur dann können wir auch unserem Kind helfen, zu entspannen.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr eine gut funktionierende Abendroutine entwickelt?

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