Der Morgen, an dem ich eine Hose verhaute!?

Die Wut eines Viereinhalbjährigen kann ganz schön nervenaufreibend sein. Sie ist oft so unvorhergesehen, irrational und unverständlich. Wie soll man also auf so etwas reagieren? Vielleicht einfach mal ganz anders als sonst. So kam es, dass ich heute morgen eine Schlafanzughose für das Lieblingskind verprügelte, damit sie ihn nicht mehr ärgert.

Kleiner Frechdachs

Aber ich beginne besser am Anfang. Seit einiger Zeit, meckert das Lieblingskind ständig über irgendetwas und kann von einem Moment auf den nächsten ganz schlechte Laune haben. Wenn es sich dann noch stößt und wütend auf den Tisch einhaut, der ihm wehgetan hat, fand ich es schon immer schwierig, wenn der Lieblingsmann dann auch noch sagte: „Da kann der Tisch doch jetzt nichts dafür“. Natürlich hat der Tisch nicht plötzlich einen Satz nach vorn gemacht, damit das Lieblingskind sich daran stößt. Natürlich war es seine eigene Unaufmerksamkeit. Und trotzdem, wieso ergreift er Partei für diesen toten Gegenstand? Denn so muss es dem Lieblingskind vorkommen: „Statt mich zu trösten und meine Wut auf den blöden Tisch zu verstehen, verteidigt er den auch noch.“ Hier sollten wir uns wirklich eher fragen, wer oder was wichtiger ist. Der leblose Gegenstand oder das lebendige Kind mit Gefühlen.

Daher widerstand ich heute früh dem Impuls, mal wieder rational an die Sache ranzugehen und für mein Verständnis zu fragen: „Was ist denn mit der Hose? Rutscht sie? Kneift sie?“ bla bla bla. Fragen, auf die ich nie eine vernünftige Antwort kriege, denn offenbar geht es in den meisten Fällen gar nicht um solche simplen Auslöser. Er schleuderte die Hose mit dem Fuß wütend in meine Richtung und stand ganz verloren im Türrahmen. Also fragte ich ihn: „Soll ich die Schlafanzughose für dich verprügeln?“ Er fragte: „Was?“ Denn er war offensichtlich verwirrt. Also wiederholte ich die Frage und er nickte und sah mich neugierig an.
Ich haute also dreimal kräftig auf die Hose ein und sagte etwas wie: „Böse Hose. Hör auf mein Lieblingskind zu ärgern.“ Das Lieblingskind grinste und rannte in meine Arme. So konnte es sich auch wieder trösten lassen und die gute Laune kam zurück.

In einer Phase wie dieser, kann die Laune allerdings auch schnell wieder kippen. Darum heißt es für mich offen bleiben. Das Kind und sein Selbstwertgefühl sind mir wichtiger als irgendwelche Regeln und Gegenstände. Deshalb war es heute morgen auch weiterhin notwendig viele Kompromisse zu machen und zwischendurch ein paar ausgelassene Momente einzubauen, in denen wir alle drei zusammen Quatsch machten.

Wenn ich zum Beispiel darauf bestehe, dass das Lieblingskind sich vor dem Frühstück die Windel auszieht (ja, nachts geht es leider noch immer nicht ohne) und sich etwas anzieht, kann es insofern mitbestimmen, dass es festlegt wo es sich umzieht, oder dass es auch mal alles bis auf die Hose anzieht. Manchmal kommt man nicht umhin, etwas vom Kind zu verlangen, das es eigentlich nicht tun will und dann kann man dem Kind wenigstens die Möglichkeit geben, über das WIE zu entscheiden.

Am Ende haben wir es oftmals in der Hand, eine Situation total eskalieren zu lassen, indem wir unbedingt unseren Willen durchsetzen und die Macht behalten wollen oder ob wir auch an schlechten Tagen einige Lichtmomente schaffen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit euren selbstständiger werdenden Kindern? Gibt es lustige oder absurde Begebenheiten? Könnt ihr gemeinsame Lösungen mit euren Kindern finden, die sich gerade aufführen wie kleine Derwische? Oder bringen sie euch an eher an den Rand der Verzweiflung, an dem ich mich durchaus auch öfter mal bewege?

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