Schatzsammler – oder „Das Glück ist in einem einfachen Sandkorn zu finden!“

Kleinkinder sind richtige Schatzsammler. Erstaunlich ist dabei was sie alles als Schätze ansehen. Das kann durchaus richtiger Müll sein, den ihre Phantasie jedoch in etwas ganz Zauberhaftes verwandelt.

Das Lieblingskind sammelSteinsammlungt zum Beispiel am liebsten Steine und Stöcker, was sie wohl fast alle gemeinsam haben. Denn auch seine Kitafreunde sammeln gern Stöcker und ab und zu denken sie sogar daran, einen Stock als Gastgeschenk mitzunehmen, wenn sie einen Freund besuchen. Wenn dann etwas mit einem von „Millionen“ von Stöcken passiert, ist das ein Drama. Zu schlimm ist es, wenn er zerbricht oder auch nur ein kleiner Zweig abbricht.

Genauso ist es mit den Steinen. Ich könnte es besser nachvollziehen, wenn er sich besonders schöne Steine am Strand aussuchen würde, aber Bauschutt …?!

Erst gestern stopfte sich das Lieblingskind ungefähr 10 Steine in jede Hosentasche. Das machte mich langsam kribbelig, da wir verabredet waren und ich nicht zu sp4 Steineät kommen wollte. Außerdem ist der Dreck in den Hosentaschen auch nicht gerade ein Traum. Als dann aber während der Fahrt mit dem Fahrrad ein Stein aus der Hosentasche fiel, was durch die randvollen Taschen unvermeidlich war, drängte ich darauf weiterzugehen. Das Lieblingskind war untröstlich. Es weinte und weinte den ganzen Weg bis zu unserer Verabredung. „Mein Stein…, mein schöner Stein…, ich will meinen Stein wiederhaben. Den finde ich nie wieder!“

Das tat mir dann in der Seele weh, ihn so darunter leiden zu sehen. Zuerst wunderte ich mich und dachte, es ist doch nur irgendein blöder, noch dazu hässlicher, Bauschuttstein. Doch dann, nachdem ich sah, wie ehrlich er darunter litt, versuchte ich es durch seine Augen zu sehen. Er hatte sich den Stein ausgesucht und er war eben anders als die anderen 19 Steine. Plötzlich musste ich an Paulo Coelho denken, wie er in „Der Alchemist“ schrieb:

… Und dass das Glück in einem einfachen Sandkorn der Wüste zu finden sei, … Denn ein Sandkorn ist ein Augenblick der Schöpfung, und das Universum hat Millionen von Jahren dazu benötigt, es hervorzubringen.“

Ich glaube Kinder können einfach noch genau das spüren, und die Einzigartigkeit jedes einzelnen Steins, jedes einzelnen Stocks, jeder Zelle, die die Natur geschaffen hat, wertschätzen. Was wertvoll ist (durch Seltenheitswert) lernen sie erst durch uns. Und irgendwie ist das auch schade.

Darum hockte ich mich, als wir angekommen waren, vor das Lieblingskind, nahm es fest in den Arm und entschuldigte mich aus ganzem Herzen dafür, dass ich nicht für seinen Stein angehalten habe. Ich sagte ihm, dass ich nicht wusste, wie viel er ihm bedeute und dass es mir jetzt Leid tut. Ich fragte, ob ich es wieder gut machen könne, wenn ich ihm einen anderen schönen Stein aussuche. Und er nickte und war besänftigt. Es tat ihm sichtlich gut, dass ich das nicht runtergespielt hatte („Ist doch nur ein blöder Stein. Du hast doch noch so viele andere.“), sondern dass ich seine Trauer über den Verlust ernst genommen hatte. Ich fand dann einen schönen Gipsstein, mit dem man sogar auf den Boden malen konnte, denn wir standen mal wieder genau neben einer Baustelle. Und beim nächsten Mal werde ich ganz sicher die fünf Sekunden übrig haben, die es braucht, einen Stein wieder aufzusammeln. Das ist fest versprochen!

Habt ihr auch hübsche Stein- oder Stöckersammlungen zu Hause? Oder was sammeln eure Kinder am Liebsten?

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2 Gedanken zu “Schatzsammler – oder „Das Glück ist in einem einfachen Sandkorn zu finden!“

  1. Ein schöner Artikel, wie schon viele andere vorher. Im Zuge des lesens is mir auch wieder eingefallen, wie viele Steine ich im Schrank gebunkert hab. Auch nicht zur Freude unserer Eltern. Und es freut mich immer wieder, wie du dich trotz des dummstressigen Alltags kurz rausnehmen kannst und den Punkt des Verstehens und Begreifens findest. Daumen hoch und weiter so.

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  2. Ach meine liebe Frau Fluffke,

    danke für diesen netten Kommentar. Außerdem freue ich mich, dass du trotz des „dummstressigen Alltags“ immer wieder die Zeit findest, hier vorbeizuschneien. 😉
    Erst heute ist das Lieblingskind wieder in Tränen ausgebrochen, weil es doch noch die Stöcker aus der Kita mitnehmen wollte, obwohl es sich vor Ort noch dagegen entschieden hatte. An deine Steine kann ich mich allerdings nicht erinnern.

    Hab ein schönes Wochenende.
    Deine Sabrina

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