Ernährungsumstellung in der Familie

Ich habe in den letzten drei Beiträgen immer mal wieder erwähnt, dass ich noch genauer darauf eingehen werde, was sich bei mir seit meiner Teilnahme am ganzheitlichen Frauengesundheitskongress verändert hat. Beim Schreiben dieses Artikels fällt mir jedoch auf, dass ich so Vieles dazu schreiben und erzählen könnte, dass alles nur so oberflächlich angekratzt wird. Daher denke ich, eignet sich diese Umstellungsgeschichte gut für eine Serie. Das heißt, eine solche ganzheitliche Veränderung besteht nicht nur aus Ernährung. Und selbst der Ernährungspart bietet viele verschiedene Aspekte, die erläutert werden möchten. Darum seht diesen Überblick als Teil I der Serie: Ganzheitlich gesund.

ErdbeerenIch bin seit 14 Jahren Vegetarierin, der Lieblingsmann ist ebenfalls seit vielen Jahren Vegetarier und so stand für uns nie außer Frage, dass wir als Familie vegetarisch leben. Für mich hatte die Entscheidung Vegetarierin zu werden etwas mit der Gleichwertigkeit aller Lebewesen zu tun und es war klar, dass ich keine Tiere mehr essen könnte.

Im Laufe der Jahre stießen wir auch immer mal wieder auf spannende Dokumentarfilme und Reportagen zum Thema wie zum Beispiel „We feed the world“ oder „Gabel statt Skalpell“. Es wurde immer deutlicher, dass es viele gute Gründe dafür gibt, keine Tiere (oder tierische Produkte) zu essen: seien es wirtschaftliche Gründe, sei es die Umwelt, seien es ethische Gründe oder die eigene Gesundheit.

1. gesunde ErnährungIn vielen Filmen und Büchern stolperten wir dann auch immer mal wieder über die „Milchlüge“ und machten uns Gedanken, ob wir nicht besser auf Milch und Milchprodukte verzichten sollten. Der Lieblingsmann trinkt schon seit Längerem nur noch Pflanzenmilch, isst aber immer noch Käse. Ich las viel über Veganismus und dachte, dass das ja nun wohl der nächste logische Schritt wäre. Warum aber fiel es mir so schwer ihn zu gehen?

Eine Erklärung liegt darin, dass Veränderungen in der Regel Zeit brauchen. Mir fiel wieder ein, dass ich sogar schon mal vor etwa sieben oder acht Jahren über das Buch „Skinny Bitch“ gestolpert bin und damals beim Reinlesen wirklich dachte: „Oh nein, leg das wieder weg, sonst kannst du nie wieder Kaffee trinken.“

Aber warum wollte ich nicht hören und nicht wissen, was schlecht für mich ist oder warum es schlecht ist? Das ist eigentlich ganz logisch. Weil ich noch nicht bereit war, etwas zu verändern. Es war ziemlich klar, dass mir Kaffee zu diesem Zeitpunkt wichtiger war, als ein fitter und besser funktionierender Körper. Schließlich sind Auswirkungen von schlechtem Essen, nicht sofort in großem Ausmaß spürbar. Ich war ja nicht krank. Die positiven Effekte überwogen.

Positiv waren vor allem die sozialen Aspekte: dazuzugehören, nicht unangenehm auffallen oder anstrengend für Gastgeber sein und Genuss, sowie sofortige Belohnung durch den Kontakt mit Exorphinen (dem Gegenstück von körpereigenen Endorphinen). Dass ich oft gereizt und aggressiv war, vor allem bei Hunger, brachte ich natürlich nicht mit dem Essen in Verbindung.

Nun, Wissen wächst, Erkenntnisse reifen, Veränderung ist ein Prozess. Die meisten Veränderungen in unserem Leben, ab einem bestimmten Alter, brauchen Jahre, da Gewohnheiten tief verankert sind und sich neue Gewohnheiten genauso erst über Monate und Jahre einschleifen müssen.

Nun springe ich also doch auf einen „Trend“ auf, der jedoch alltagstauglich sein muss. Denn Schoko-Minze-Smoothieich möchte keine Diät, keine kurze Entgiftungskur und dann weiter wie bisher. Das würde auch nicht funktionieren, wenn mein Ziel ist, generell fitter, gesünder und wacher zu sein. Darum plane ich auch nicht von 0 auf 100 zur rein veganen Ernährung oder rein rohköstlichen Ernährung zu wechseln, sondern nehme peu à peu die giftigsten Lebensmittel vom Speiseplan, brauche Vorräte auf, schmeiße richtigen „Scheiß“ weg und kaufe nur noch gesunde Lebensmittel ein. Ich versuche, so clean wie möglich zu essen. Das heißt, dass ich möglichst nur natürliche Produkte kaufe, die nicht zig Verarbeitungsprozesse durchlaufen haben bzw. keine Liste an Zutaten enthalten und die ich dann selbst zuzubereite. Glücklicherweise bin ich nicht allein mit diesem Schritt, da der Lieblingsmann mitzieht und das Lieblingskind von uns derjenige ist, dem es von ganz allein am meisten nach Rohkost verlangt. Es liebt grüne Smoothies und abends isst es oft nur das aufgeschnittene Gemüse und hat gar kein Bock auf Brot. Allerdings verlangt es natürlich immer mehr nach Süßigkeiten und Eis und möchte nun hin und wieder Fleisch probieren. Dem geben wir nach, da das Lieblingskind ein eigenständiger Mensch ist, der diese Dinge bereits selbst entscheiden kann. Das geht nicht so weit, dass wir ihm Fleisch kaufen und zubereiten, sondern es kann es in der Kita, bei den Großeltern oder auf Kindergeburtstagen probieren. Ich denke mit Zwang und Verboten würden wir ihm kein Vorbild sein, sondern eher von unseren Vorstellungen abschrecken. Da ich weiß, dass es eher selten Fleisch isst, kann ich damit gut leben und denke nicht gleich: „Hilfe, mein Kind vergiftet sich.“ Außerdem ersetze ich Süßigkeiten immer öfter durch gesündere Alternativen, für die es einige einfache und schöne Rezepte gibt. Schließlich bin ich selbst ein Süßschnabel und so schnell wird sich das nicht ändern.

Rohkost-BrowniesWobei ich merke, dass der Heißhunger auf Süßes nach einigen Wochen doch deutlich nachlässt. Dadurch dass ich jetzt schon seit drei Wochen den Zucker zu etwa 80 % (also auch in Produkten) reduziert habe, verspüre ich mittlerweile eher selten Heißhunger. Es gibt außerdem immer mehr Tricks, wie dieser Heißhunger auch ganz gesund gestillt werden kann. Wenn so etwas wie Heißhunger auftritt, ist es auch immer mehr eine Kopfsache und ich kann mich zuerst einmal fragen, was dahinter steckt und ob ich mir auch anders etwas Gutes tun kann.

Auch auf Weizen, das in etwa dieselbe Wirkung hat wie Zucker, verzichte ich zunehmend. Es ist erstaunlich wie viel Weizen wir essen, wenn wir es gar nicht denken, weil es überall drin steckt oder ein Verarbeitungsprodukt des Weizens ist (in vegetarischer/veganer Wurst, Aufstrichen, Roggenbrot, Bulgur, Couscous, …).

Auf alle Fälle fühlt es sich erst mal an, wie ein spannendes neues Projekt, da es Spaß macht, neue Rezepte auszuprobieren, neue Geschmacksrichtungen kennen zu lernen und sich nach und nach tatsächlich fitter und wacher zu fühlen.

Da es sich allerdings um ein Konzept der ganzheitlichen Gesundheit handelt, geht es nicht nur um Ernährung. Ganzheitlich bezieht sich auf mehrere Aspekte im Leben. Dazu gehören auch Fitness, gute Beziehungen und emotionale Entwicklung, genauso wie etwas zu tun, dass einem Spaß macht. Das werde ich jedoch an dieser Stelle noch nicht ausführen, da ich euch mit diesem ersten Teil möglichst einen Überblick darüber geben wollte, was sich bei mir und bei uns in der Familie gerade so tut.

In den nächsten Teilen werde ich mir einzelne Aspekte herausnehmen und genauer erläutern. Für diejenigen, die es interessiert, gibt es dann auch jeweils Tipps zum Weiterlesen oder Weiterinformieren. Unten findet ihr die ersten Tipps.

Signatur


Tipps zum Weiterlesen oder informieren:

  • Dr. Elena Krieger: Die Milch-Lüge – Die Milch macht’s leider doch nicht
  • Dr. med. William Davis: Weizenwampe – Warum Weizen dick und krank macht
  • Rory Freedman, Kim Barnouin: Skinny Bitch – Die Wahrheit über schlechtes Essen
  • Youtube: Gabel statt Skalpell (ich füge das Video an dieser Stelle nicht ein, da es leicht zu finden ist)

(keine Affiliate-Links; Ich finds eh besser, Bücher im Laden zu kaufen. 😉 )

Advertisements

6 Gedanken zu “Ernährungsumstellung in der Familie

  1. Ich finde, dass du total „vermittelnd“ berichtest. Du erklärst, warum man den Schritt zu vegan oft nicht tun will, aber auch gleichzeitig warum es gut ist ihn zu tun. Normalerweise gehört entweder zu der einen oder der anderen „Seite“ und versteht sich gegenseitig nicht so richtig.

    Gefällt mir

    1. Ach Danke! Schön, dass das so rüberkommt. Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht, weil ich Freunde habe, die vegan leben und Freunde und Familie, die alles essen. In beiden Kreisen ist niemand wirklich missionarisch unterwegs. Darum ist das „Leben und leben lassen“ vermutlich Normalität bei uns. Klar gibt es auch mal Kommentare, aber nie wirkliche Vorwürfe oder Vorschriften. Hinzu kommt, dass ich als Familienhelferin arbeite, wo in den Familien oft noch ganz andere Dinge verändert werden müssen und ich regelmäßig miterlebe wie schwer es ist, aus gewohnten Bahnen auszubrechen, selbst wenn das Bewusstsein schon da ist, dass es für alle Beteiligten besser wäre. Das Wissen ist zuerst da und dann kann man meist erst mit einem gewissen Zeitabstand Schritt für Schritt Veränderungen beobachten.
      Ich glaube, dass es selbst bei den Menschen, die von heute auf morgen vegan leben, ein Prozess vorangegangen ist. Den hat dann nur niemand mitbekommen.

      Gefällt 1 Person

  2. Das war ein sehr interessanter Beitrag, Ich bin noch jung aber lebe seit fast einem Jahr Vegan . Mir wurde auch schon öfter die Frage gestellt wie ich mein Kind erziehen würde und ob es Fleisch essen dürfte. Ich finde die Art wie du dein Kind erziehst ist absolut optimal. Ich hoffe, ich merke mir das bis ich dran bin . Ein Verbot bringt meistens einen größeren Wunsch nach dem Verbotenen mit sich. Lg Kris

    Gefällt mir

    1. Dankeschön Kris!
      Ich hoffe natürlich immer, dass wir das Richtige tun. Letztlich können wir zu Hause nur dafür sorgen, dass immer genügend gesunde Dinge zur Auswahl vorhanden sind und die Lust am guten und gesunden Essen vorleben. Sein Geschmack bildet sich ja jetzt aus und wenn er nicht ohne Obst und Gemüse aufwächst, wird er damit auch nie Probleme haben. Dennoch ist die Entscheidung eigentlich ganz leicht. Da ich die Kinderrechte sehr ernst nehme, kann er über seinen Körper entscheiden. Er weiß am besten wann er Hunger hat und worauf. Selbst wenn wir ihn erst später entscheiden lassen würden, stünde doch irgendwann die Frage im Raum „Liebst du dein Kind weniger, wenn es Fleisch ist?“ Und die ist einfach zu beantworten. Natürlich nicht. Es ist sein Leben und ich werde bestimmt nicht immer alles toll finden, was er macht. Aber das ändert nichts an meiner Liebe zu ihm.
      LG Sabrina

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s