Kita-Wechsel – ein Erfahrungsbericht

Ich war gespannt. Wie gewöhnt man ein erfahrenes Kita-Kind in eine neue Kita ein? Wir wussten, dass es Kita-Abläufe kennt, dass es weiß wie es ist, morgens zur Kita zu gehen, dort zu spielen, zu essen und am Nachmittag wieder abgeholt zu werden. Es war also klar, dass es nicht wieder so sein würde wie die erste Eingewöhnung nach einem Jahr zu Hause, wo sich Mama (oder Papa) und Kind zum ersten Mal trennen und ganz viel Unsicherheit auf beiden Seiten ist.

6. KitavorgesprächIch hatte damals überraschenderweise große Schwierigkeiten, loszulassen. Überraschenderweise, weil sowohl das Lieblingskind als auch ich so was von „kitareif“ waren und ich etwas von meiner Freiheit zurück haben wollte. Ich lernte mich mit meinen starken Autonomie-Bedürfnissen in der Elternzeit noch mal völlig neu kennen und hing auf der anderen Seite sehr an meinem winzigkleinem Lieblingskind. Hinzu kam, dass eigene dunkle Kita-Erinnerungen wieder hoch kamen und ich Angst und Trauer empfand. Vielleicht aus diesen Gründen, gekoppelt mit der Tatsache dass der Dezember nur drei Wochen hatte und die Bezugserzieherin ständig krank war, dauerte die Eingewöhnung zwei Monate. Im Nachhinein betrachtet, war ich sehr froh über die sanfte und langsame Ablösephase. Sehr schön war damals auch, dass ein halbes Jahr kein weiteres Kind eingewöhnt wurde, sodass das Lieblingskind lange das Nesthäkchen der Bezugserzieherin bleiben konnte.

Die neue Eingewöhnung sollte viel schneller gehen. Das Lieblingskind ist schon groß, kennt den Kita-Alltag und die Erfahrungen der Kita zeigten, dass die Kinder, die bereits eine Kita besucht hatten, in der Regel maximal eine Woche brauchten. Zudem wurde es durch gemeinsame Kita-Besichtigung und Vorgespräche sehr gut vorbereitet. Ich hatte mir eine Woche frei genommen. Meist sagen die Kinder schon am ersten oder zweiten Tag: „Du kannst jetzt gehen, Mama“. Und auch das Lieblingskind war am ersten Tag so aufgeregt und voller Vorfreude auf die neue Kita, dass es schon zu Hause zu mir sagte: „Du kannst dann aber gehen, Mama“.

Als wir dann vor Ort waren, verschwand es plötzlich hinter meinen Beinen, als wäre es wieder drei Jahre jünger. Es klammerte sich an mir fest, hing sprichwörtlich an meinem Rockzipfel und traute sich kaum etwas zu sagen. Im Morgenkreis schwankte es zwischen Mitteilungsbedürfnis und auf Mamas Schoß kriechen. Es war erstaunlich wie viel Mama es wieder brauchte. Dann ging es ans Experimentieren und ein paar neue Kitaregeln kennen lernen. Dabei konnte ich schon mal einfach nur am Rand sitzen.

9. Montessori-MaterialienMein erster Eindruck von der Montessori-Einrichtung war super. Wie mit den Kindern gesprochen und umgegangen wurde, erschien mir respektvoller und freundlicher als in der alten Kita. Der Morgenkreis war wunderschön. An jedem Morgen wird eine Kerze angezündet bzw. eine für Montag, zwei für Dienstag, drei für Mittwoch und so weiter. Und das Lieblingskind durfte, weil es neu war, die Kerze anzünden.

Sie haben außerdem ein Patenprogramm, in dem sich ein älteres erfahrenes Kita-Kind um das neue kümmert. Das heißt, es zeigt ihm alles und erklärt ihm die Regeln. So ist a11. Windmühleuch schon von Anfang an ein Freund da, wenn das Kind sich noch nicht traut auf andere zuzugehen oder nicht weiß, an wen es sich wenden soll. Leider war das Patenkind jedoch nicht da und kam erst am Mittwoch. Aber das Lieblingskind hatte vorher auch schon zwei, drei neue Freund*innen gewonnen. Am Mittwoch bekam es dann ein kleines Begrüßungsgeschenk vom Paten und spielte mit ihm und seinem besten Freund. Am nächsten Tag verstanden sie sich nicht mehr so gut. Aber ab Freitag waren sie dann plötzlich doch, dank gemeinsamer Interessen, die besten Kumpels.

Das Lieblingskind wollte mich auch am Dienstag noch den ganzen Vormittag dabei haben, sodass ich die ersten beiden Tage noch nicht gehen konnte. Am zweiten Tag konnte ich allerdings eine Weile in einem anderen Raum sitzen, ohne dass es ihn gestört hätte.

Am Mittwoch verabschiedete ich mich dann aber schon zum Morgenkreis und das Lieblingskind rannte, sofort nach dem Winken, wieder zum Spielen. Ab da war es schon fast wie immer. Abgesehen davon, dass ich es natürlich bereits nach dem Mittagessen wieder abholte. Mit jedem Tag kam eine Kleinigkeit hinzu, sodass es langsam reinkam. Wie notwendig das war, konnte ich abends sehen, wenn es schon ab 16 Uhr wieder hundemüde und überdreht war. Es hatte auch im Schlaf sehr viel zu verarbeiten. Die Vorfreude auf jeden Tag blieb jedoch groß.

Am Donnerstag war das Lieblingskind nachmittags richtig knatschig. Es jammerte, tobte und heulte bei Kleinigkeiten, dass ich schon fast verzweifelte. Bis ich mich mit ihm hinlegte, um in Ruhe ein Buch vorzulesen. Dabei schlief es ein. Es war erst 16:15 Uhr. Und es schlief durch bis 6 Uhr. Ich fand es erstaunlich wie es den Anschein macht, als sei alles easy peasy, dabei gibt es für ihn trotzdem so viel zu verarbeiten, wie erst in solchen Situationen deutlich wird. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre es schon ab Dienstag gern zum Mittagschlaf und Vesper geblieben. Das Lieblingskind selbst wollte jeden Tag eigentlich noch länger bleiben und nach der Kita noch Besuch haben oder jemanden besuchen. Wir hatten echt eine wirklich aufregende Woche.

Spannend war auch, dass ich wieder mit heftigen Bauchschmerzen reagierte, obwohl ich bewusst fand, dass alles wunderbar war. Ich glaube die eigenen Traumata sitzen tief und versuchen noch vor etwas zu schützen, was gar nicht mehr da ist.

Nun geht das Lieblingskind schon die vierte Woche in die Kita und alles ist schon wieder richtig Alltag geworden. Das Lieblingskind beschwert sich mittlerweile wieder über die ein oder andere Sache und hat auch schon mal Streit oder Ärger. Aber alles läuft eben ganz normal, die schönen Dinge überwiegen und es geht gern hin.

Neue Freunde finden sie in dem Alter sehr schnell und die alten besuchen wir sowieso immer nachmittags, denn auch die sind schon gar nicht mehr in der alten Kita. Einige hatten vorher schon gewechselt, andere kommen in die Schule und wieder andere sind weggezogen. In der alten Kita hätte sich darum auch vieles geändert. Aber das war ja nicht der Grund zu wechseln, sondern macht es im Großen und Ganzen nur einfacher.

Hattet ihr schon mal einen Kitawechsel? Wie lief es bei euch? Hattet ihr auch Bauchschmerzen und Befürchtungen vor so viel Neuem?

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