Zurück aus dem Winterschlaf

Lange, lange hat sie gedauert, diese Blog-Pause, was ich gar nicht gedacht hatte. Eigentlich wollte ich das Blog nur mal einen Monat ruhen lassen, um wieder zu mir zu kommen. Aber nun hat sie sehr viel länger gedauert und ich möchte euch ein wenig berichten wieso und was sie mir gebracht hat.

Zum einen brauchte ich wirklich Abstand von der virtuellen Welt, die sich permanent aktualisiert und der ich irgendwie immer mehr hinterher rannte, weil mich ansonsten das Gefühl beschlich, ich könnte etwas verpassen. Das heißt, es wurde immer mehr zum Stressfaktor, noch etwas lesen oder noch etwas produzieren zu müssen.

Zum anderen wollte ich mir darüber klar werden, ob ich das überhaupt noch möchte. Warum blogge ich überhaupt und tut es mir gut?

Zu dem Zeitpunkt, an dem ich merkte, dass ich eine Blogpause brauchte, tat es mir überhaupt nicht gut. Ich war ziemlich raus aus meiner Mitte und hatte das Gefühl noch mehr Anforderungen gerecht werden zu müssen. Denn mein Job setzte sich schon aus mehreren kleinen Projekten zusammen, auf die ich mich nie voll und ganz konzentrieren konnte. Dann machte ich eine Weiterbildung mit vielen Modulen, die sich ebenfalls überlappen und bei denen ich das Gefühl hatte, mit dem Lesen gar nicht mehr hinterherzukommen. Dann natürlich noch der übliche Alltag mit Haushalt und Kind. Freizeit und Freunde? hm…

Alles musste immer organisiert und durchgeplant werden. Und auch wenn ich von meinem Wesen her eigentlich total gern strukturiert war und einen Plan hatte, funktionierte es einfach nicht mehr. Ich wunderte mich über mich selbst und erkannte mich nicht wieder. Dieses unorganisierte und verpeilte Wesen konnte doch nicht ich sein. Es machte mir vor allem überhaupt keinen Spaß mehr zu planen, was ich vorher geliebt hatte. Und ich denke das lag einfach daran, dass die Pläne unrealistisch waren. Ich konnte mich nicht daran halten, weil es mir nicht genügend Ruhephasen gelassen hätte. Und die brauche ich als hochsensibler Mensch ausreichend. Neben diesen vielen Ruhephasen, brauche ich auf der anderen Seite aber immer auch viel Anregung und neuen Input, was ohnehin schon schwierig ist. Je mehr Anregung, desto mehr Ruhe brauche ich, da ich sonst krank werde. Andere hochsensible Sensation Seeker werden das Dilemma kennen. Und ich habe vor, demnächst mal etwas mehr darüber zu schreiben.

Am Ausschlaggebendsten aber war, dass ich mich oft so sehr unter Druck gesetzt hatte, dass ich dem Lieblingskind nicht immer das geben konnte, was ich eigentlich wollte. Wer schon einige Beiträge auf dem Blog gelesen hat weiß, dass wir bindungs- und bedürfnisorientierte Elternschaft leben, dass es uns darum geht, dass das Lieblingskind sich bedingungslos geliebt fühlt und daran auch keinen Zweifel hat, wenn wir uns mal streiten.

Nun hatte es aber an einem Abend der Lieblingsnachbarin gegenüber geäußert, dass es sich wünschte wieder ein Baby zu sein. Denn dann würde es uns nicht mehr so viel ärgern und wir hätten es wieder lieber. Das brachte mich zum Heulen. Dass es ernsthaft glaubte, wir hatten es als Baby lieber, machte mich traurig und ratlos. Für mich stand aber schon in dem Moment sofort fest, ich muss etwas loswerden, um weniger gestresst zu sein. Und es war auch klar, dass es das Bloggen ist. Denn das sorgte dafür, dass ich nicht mehr im Hier und Jetzt, im aktuellen Raum mit den aktuell anwesenden Menschen verbunden, sondern immer zur Hälfte virtuell unterwegs bin.

Ein Beispiel dafür ist das ständige Fotografieren. Immer muss alles festgehalten werden, um genug schönes Bildmaterial fürs Blog zu haben. Die Fotos sind zwar nicht extra arrangiert und gestellt, aber ich fühle mich zum Beispiel bei der Frühstücksvorbereitung doch von der Vorstellung gestresst, dass das Lieblingskind vorher die Hälfte wegnascht oder den Kakao verschüttet, bevor ich das Foto gemacht habe. Und dann stelle ich fest: Oh scheiße, das Foto ist mittlerweile wichtiger geworden (oder in dem Moment wichtiger) als das Lieblingskind; oder das Foto muss perfekt sein, sonst ist es nicht blogtauglich. Realität mit verschüttetem Kakao abzubilden, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Sieht ja nicht so schön aus. Und genau deshalb wollte ich da die Reißleine ziehen.

Wir machten es uns also einfach wieder mal nur noch für uns selber schön und genießen es eben so lange wie es hält. Und wir haben genossen. Ich hatte wieder etwas mehr Zeit und sprach mit dem Lieblingskind viel über seine Gefühle. Die lieben Kleinen müssen auch immer mal wieder hören, dass man sie immer liebt. „Auch wenn wir uns mal streiten oder sauer aufeinander sind, lieb haben wir uns trotzdem.“ Diese Worte ersetzen nicht den respektvollen Umgang miteinander, aber es ist wichtig, sie auch mal zusätzlich zu hören.

Nun, hatte ich auf jeden Fall mal wieder Zeit, alles in die für mich richtige Perspektive zu rücken und konnte mir etwas mehr darüber klar werden, was meine Prioritäten sind.

Dabei muss ich nicht komplett aufs Bloggen verzichten, aber es wird immer nur ein Hobby bleiben. Und ein Hobby kann eben auch mal pausieren oder weniger intensiv betrieben werden (ohne die stressenden SEO Artikel, die einem ständig erzählen, was man alles besser oder richtiger machen könnte). Brauche ich ja nicht, wenn ich damit kein Geld verdienen will.

Also werde ich dann Artikel schreiben, wenn mich etwas bewegt und die ein oder andere Serie weiterführen, jedoch ohne terminlichen Druck.

Ich merke jedenfalls, wie ich überhaupt wieder Lust aufs Schreiben kriege und es mich in den Fingern juckt, das Blog doch endlich mal zu überarbeiten.

Das alles werde ich jedoch langsam angehen, um mir für alles die Zeit zu nehmen, die es gerade braucht.

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2 Gedanken zu “Zurück aus dem Winterschlaf

  1. Hallo Sabrina, ich kann alles sehr gut nachvollziehen, was du schreibst. Mir geht es da ähnlich. Ich liebe die virtuelle Welt mit all den interessanten Menschen und Ideen, die ich sonst nie kennengelernt hätte, aber andererseits lenkt es auch sehr vom Leben 1.0 ab und ich bin gedanklich oft nur halb anwesend.
    Ich finde, du hast eine gute Lösung für euch gefunden, und man merkt beim lesen richtig, wie gut es dir tut und wie ausgeglichen du bist. Ich wünsche dir weiterhin eine schöne, interessante, inspirierende Zeit mit deiner Familie, dem Job und dem bloggen.
    Liebe Grüße, Isabella

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